Der Schatz unterm Teppich
Kunstvolle Intarsien auf Schloss Burgellern freigelegt Restaurierung brachte eine Rarität zutage
Wo gestern noch ein olivgrüner Teppichbelag aus den 1980er Jahren treue Dienste tat, zieren heute rankende Blumen und orientalische Mäander aus Nußbaum- und Ahornholz die Treppenabsätze. Das klassizistisch geprägte Stiegenhaus von Schloss Burgellern bei Bamberg zeigt nach der Restaurierung durch ein Expertenteam der Bundesfachgruppe der Parkettrestauratoren wieder sein schmuckvolles Kleid des 19. Jahrhunderts.
Der „Schatz unter dem Teppich“ war per Zufall während der Sanierungsphase des Schlosses in den Jahren 2006-08 entdeckt worden: „Diese hochwertigen Intarsienbeläge der Treppenabsätze waren nirgends dokumentiert!“, erinnert sich Kunsthistorikerin Birgit Kastner, „Bei Malerarbeiten im Treppenhaus haben wir entdeckt, dass der Teppichbelag der 80er Jahre im Treppenhaus auf den Treppenabsätzen nicht verklebt war.“ Als die Kastners den Bodenbelag dann vorsichtig anhoben, kamen Reste eines floral gemusterten, stark verschmutzten, rötlich eingefärbten Holzbodens zum Vorschein. Dass es sich bei diesem Intarsienparkett um eine Kostbarkeit handelte war trotz des schlechten Zustands sofort offenkundig. Schlossherr Joachim Kastner bemühte sich um Experten und Fördermittel zur Restaurierung - mit Erfolg: Nach der Untersuchung der historischen Parkettreste durch Stefan Grimm von der Bundesfachgruppe der Parkettrestauratoren, dem Placet des Denkmalschutzes und die Zusage der Fördermittel durch die Oberfranken-Stiftung und des Landesamts für Denkmalpflege konnte die Durchführung in die Hände der denkmalpflegerisch versierten Parkettexperten gelegt werden.
Die Restauratorengruppe ist begeistert, denn ein solches Schmuck-Parkett ist im fränkischen Raum eine große Rarität. „Am außergewöhnlichsten für einen Fußboden ist die Technik: Der Belag besteht aus unzähligen kleinen quadratischen Furnierstücken. Selbst die Intarsien sind so zusammengesetzt.“, so Parkettrestaurator Stefan Grimm. Ähnlich wie auch die qualitätvollen Ausmalungen des Schlosses aus der Zeit zwischen 1839-46 scheint auch dieser Schmuckboden unter den Busecks entstanden und von Künstlern aus München oder Norditalien gearbeitet worden zu sein. Grimm schreibt die Arbeit, deren Technik von historischen Möbeln bekannt ist, einem Kunstschreiner zu. Die Wiederherstellung ist entsprechend aufwändig, da fehlende und beschädigte Teile in filigraner Kleinarbeit nachgefertigt werden müssen. Die Expertengruppe ist mit Schablone und viel praktischer Erfahrung zugange, um das Puzzle aus den etwa vier Quadratzentimeter kleinen Furnierstücken wieder zusammenzufügen. Besonders schlecht erhalten war das Podest am ersten Treppenabsatz mit drei großen Fehlstellen, wo Muster aufgenommen und rekonstruiert werden mussten. Als Besonderheit für die Region stellt Grimm auch die Hölzerkombination des Bodens heraus, da solche Intarsienmuster häufig aus vier bis fünf verschiedenen Hölzern gearbeitet wurden, und Eiche dabei nie fehlte. Das Burgellerner Intarsienparkett hingegen besteht nur aus zwei Holzsorten: Ahorn und Nußbaum. Im reizvollen Hell-Dunkel-Kontrast sind die Treppenabsätze mit einer mittigen Rosette geziert, die von losen Blumenranken umgeben ist. Das Randmuster bildet eine orientalisierende Mäanderbordüre.
Wenn nach Abschluss der Restaurierung auch die Oberfläche des Fußbodens für heutige Beanspruchung behandelt ist, kann das Stiegenhaus von Schloss Burgellern bei Führungen bewundert werden. Im Rahmen des Schlossfestes am 3. Juli werden stündlich Besichtigungen in Kleingruppen (Anmeldung) angeboten. Schloss Burgellern ist seit 2008 als Hotel und Restaurant wieder eröffnet. Die glanzvolle Geschichte des fast 300jährigen Hauses erreichte ihren Höhenpunkt im 19. Jahrhundert unter Carl Theodor und Friedrich Carl von Buseck. Im Anschluss an die Orientreise der Schlossherren in Begleitung von Herzog Max in Bayern 1838 war das Schloss prachtvoll orientalisch ausgestattet und ausgemalt worden. Nach wechselvollen Zeiten und 13 Jahren Leerstand wurde das Schloss 2005 verkauft und ging in Privatbesitz über. Waren die heutigen Schlossherren während der Sanierung und Restaurierung in den Jahren 2005-2008 glücklich über jeden Quadratzentimeter historischen Farbrest oder die Wiederentdeckung der Schmuckfußböden des 18. Jahrhunderts im ersten Obergeschoss, so war der „Schatz unter dem Teppich“ die größte Überraschung.
Informationen zur Fachgruppe der Parkettrestauratoren: www.parkettrestauratoren.org




